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Aus der Arbeit eines Sachbuchautors. Jeder kann schreiben!?

Natürlich kann jeder schreiben, einen Brief, ein paar Notizen, das Protokoll einer Besprechung und mit einiger Übung auch eine Mitteilung an die Presse. Die unterschiedlichen Disziplinen des Schreibens erfordern jedoch sehr unterschiedliche Fähigkeiten. Werbetexter müssen ihre Botschaft in einem einzigen kurzen Satz zusammenfassen, der über Erfolg oder Nichterfolg von Waren und Dienstleistungen entscheidet. Journalisten in Nachrichtenagenturen müssen in kürzester Zeit 50-seitige Geschäftsberichte in drei kurzen Absätzen bewerten und ihre Meldungen werden ad hoc die Aktienkurse beeinflussen.

 

Das Kürzen und Komprimieren ist die eine Seite der Schreibkunst. Die andere besteht darin, Wissen, Informationen oder Unterhaltsames auszubreiten und so zu erzählen, dass es verständlich wird und nicht langweilt. Der Buchautor ist der Marathonmann unter den Schreibern, während der Journalist vielleicht der Sprinter und der Werbetexter der Meister im Hochsprung ist.

 

Selbst versierte Journalisten haben sich bei vielen Themen nach maximal 30 Seiten ausgeschrieben. Es ist alles gesagt. Es fällt nichts mehr ein. Alles Weitere wäre überflüssig. Als Buchautor hat man dann noch zwei- oder dreihundert Seiten vor sich, die nicht nur sinnvoll, sondern auch noch gut lesbar und interessant mit Stoff zu füllen sind. Jede Disziplin des Schreibens erfordert also ganz bestimmte Fähigkeiten und spezielle Denkweisen.

 

Kann man nun Bücher schreiben lernen so wie man generell schreiben gelernt hat? Die Grundvoraussetzung, um zu schreiben, ist denken. Die Fähigkeit zu strukturiertem Denken, das das Schreiben unterstützt, wird aber weder in der Schule noch an der Universität explizit gelehrt. Denken ist eine Fähigkeit, die man gewöhnlich durch learning by doing erwirbt – oder eben auch nicht. Die meisten Menschen lernen in einer ganz bestimmten, typischen Weise zu denken, die berufsspezifisch und genau auf die Probleme bezogen ist, die sie jeden Tag zu bewältigen haben, aber die wenigsten schreiben jeden Tag an einem Buch.

 

Denken allein ist jedoch nicht genug. Erst die Beherrschung der Sprache und sehr viel Allgemeinwissen, verbunden mit echter Kreativität, runden das Spektrum der Fähigkeiten eines Buchautoren ab. Beharrlichkeit, Fleiß und systematisches Arbeiten sind ebenfalls nützliche Eigenschaften. Was dann vielleicht noch fehlt, ist das Wissen um das Handwerk des Schreibens und die Beherrschung der richtigen Handwerkzeuge.



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